Stadtvereinigung Steinbach (Taunus)_______________________________________________________________________________________________________________________________________________

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TZ Printausgabe vom 20.10.2007

Krämer: Wir werden weniger, bunter, älter

 

Steinbach. Es soll keine Wahlveranstaltung werden – so wurde die erste Regionalversammlung Untermain angekündigt, bei der sich Mitglieder der Senioren Union auf Kreis-, Stadt-, und Gemeindeebene im Bürgerhaus trafen. Dennoch sprach Gerd Krämer, Staatssekretär im hessischen Sozialministerium, bei seinem Referat „Sozialpolitische Perspektiven für Hessen“ über (fast) nichts anderes als über die Wahl. Es komme sehr wohl darauf an, wo das Kreuz am 27. Januar 2008 gemacht werde, ob die Weichen in Wiesbaden von einer bürgerlichen Regierung oder von Andrea Ypsilanti gestellt würden, meinte der CDU-Mann.

Einer der Gründe, weshalb die SPD noch nicht fit sei, Hessen zu regieren, beschrieb Krämer so: „Die SPD hat vor, mit Windrädern die Wirtschaft am Laufen zu halten. Wenn man die Wirtschaftsstärke auf Windräder und alternative Energien alleine stützen wolle, ist es schnell vorbei.“ Sozialpolitik sei jedoch nur mit einer starken Wirtschaft möglich.

 

Als wichtigste Frage der Landespolitik bezeichnete er den Ausbau des Frankfurter Flughafens – für den es auf Landesebene eine große Mehrheit gebe. Dass nicht nur die Grünen, sondern auch die Gewerkschaft Ver.di dagegen sei, obwohl viele Mitarbeiter dort in Lohn und Brot stünden, sei ein „Skandal“. Der Ausbau dürfe nicht verzögert werden, denn das hieße, den Frankfurter Flughafen in die Regionalliga zu treiben. „Die Wirtschaftskraft der Region hängt davon ab, ob der Flughafen in der Weltliga mitspielen kann. Wenn wir in die dritte Liga abrutschen, wird auch das soziale Sicherungssystem drittklassig“, so Krämer. Nur durch den Ausbau könnten die 70 000 Arbeitsplätze und viele 100 000 Arbeitsplätze in der Region wie auch die Zukunft der Rhein-Main-Region gesichert werden.

„Wir haben einen schmerzlichen Prozess bis zum Mediationsergebnis hinter uns“, berichtete Krämer. Jetzt sei es entscheidend, das Nachtverbot so festzuschreiben, dass es vor Gericht Bestand habe. „Einen Ausbau wird es nur geben, wenn die Nachtbelastung deutlich geringer ist“, stellte der Staatssekretär klar.

In Sachen Rente sagte Krämer: „Es ist nicht in Ordnung, wenn der wirtschaftliche Aufschwung bei den Rentnern in keiner Weise ankommt.“ Eine 0,5-prozentige Erhöhung nannte er einen „Witz“. Die Rente müsse der Lohnentwicklung folgen. Dies wolle die CDU im kommenden Jahr durchsetzen, sagte Krämer und erntete Applaus.

Die demografische Entwicklung brachte er auf die Formel „Wir werden weniger, bunter und älter“. Der Trend der Abwanderung könne gestoppt werden, wenn den Menschen eine Zukunft (Arbeitsplätze) geboten würde. Dafür sei es entscheidend, Autobahnen auszubauen und Touristikprojekte zu entwickeln. In Sachen bunter werdende Gesellschaft sagte Krämer: „Wir brauchen Kinder mit Migrationshintergrund. Sie sind genauso intelligent und leistungsfähig, aber wir müssen ihnen die gleiche Chance geben (Sprachförderung).“ Wer in Deutschland lebe, müsse sich auch zur deutschen „Leitkultur“, zum „Wertekanon des Grundgesetzes“ bekennen, betonte Krämer.

Wer Zwangsehe und Ehrenmorde befürworte, habe in Deutschland nichts zu suchen. Mit Blick auf die älter werdende Gesellschaft bezeichnete Krämer die Versorgung von Demenzkranken als eine der großen Herausforderungen der Zukunft. „Demenz kann man nicht heilen, aber durch medizinische Versorgung und eine aktivierende Betreuung verlangsamen oder sogar stoppen“, sagte der Staatssekretär. (sob)